Liebes Christkind, können wir Weihnachten nicht einfach mal auf Mitte Januar verschieben? Dieses Jahr sollte alles mal so ganz anders werden…

Ich wollte unbedingt auch eine von diesen Instagram-Mamis sein. Mit den gebackenen Plätzchen Mitte November. Dem liebevoll selbstgestalteten Adventskranz, der hyggeligen, romantischen, aber doch sehr aufgeräumten Weihnachtsdekoration. Ich wollte den Nachwuchs auf dem Klavier zu “Frö-höh-liche Weihnacht überall” begleiten und Unmengen an Sinn- und Besinnlichkeiten versprühen.

Versprüht wurden hier in der Adventszeit bisher nur Streptokokken, Massen an PariBoy Inhalationsdampf und Rotze. Viel Rotze.
Einen selbstgebastelten Adventskalender für meine Drei kann ich sogar vorweisen. Wuhuuuu!
Ein Do-it-Yourself-Wunderwerk, vor dem ich allerdings jeden Morgen stehe und bete: “Bitte, lass heute nicht nur den Traubenzucker drin sein!” Morgens ist die Laune bei manchen Menschen in unserer Familie wirklich recht nah am Stimmungsabgrund angesiedelt. Und jedes Mal schwöre ich mir dann, dass ich meinen Kindern beibringen werde, sich auch über einen Traubenzucker oder ein klein wenig Schokolade zu freuen. “Wisst ihr, es gibt Kinder auf dieser Welt, die kriegen überhaupt gar nichts und wisst ihr noch was, wir damals… Hallo?! Kinder?! Wo seid ihr?!”

Dezember ist ja außerdem der Monat, der ganz im Zeichen sozialer Zwänge steht. Will heißen: Auch wenn wir uns das ganze Jahr nicht getroffen haben (was ja vielleicht durchaus auch mal seine Berechtigung haben könnte, rein hypothetisch betrachtet), dann muss es heuer doch auf jeden Fall noch vor Weihnachten klappen! “Wäre doch so schön! Und bitte macht euch keine Umstände wegen unseres Besuchs! Ein paar Weihnachtsplätzchen reichen uns vollkommen.” Ah ja. Schön. Ich füge im Stillen noch ein neues To-Do auf die schier endlose Liste.

Außerdem düse ich mal eben noch zum vorweihnachtlichen Elternabend in die Krippe, hier noch kurz zum Plätzchenback-Event in den Kindergarten und dann mal noch schnell zum Vorlesen in die Grundschule. Natürlich alles freiwillig. Natürlich. Kleiner Auszug aus einem Gespräch zwischen Mutter und siebenjähriger Tochter: “Du Spatzl, wäre es ok, wenn ich dieses Jahr vielleicht nicht zum Vorlesen in die Klasse……..”
Kennen Sie diese Comics aus den 80ern? Wo die Tränen links und rechts springbrunnenartig wegspritzen?

Wir nähern uns nun im Laufschritt schon Mitte Dezember und in meinen Warenkörben sammeln sich allerlei Geschenke, die noch auf den letzten Klick warten. Noch bin ich lieferfristentechnisch glücklicherweise absolut im Rennen. Dieses Jahr sollte es eigentlich sowieso mal etwas weniger von allem sein. Ein bisschen mehr Demut und Besinnlichkeit für das Fest der Feste.

Wird sicher super klappen.

“Kinder, wisst ihr denn eigentlich, warum wir Weihnachten feiern?”
“Ja Mama, da ist Josef geboren.” Von links schießt es heraus. “Jesus, du Dummkopf!”
Wieder rechts: “Und dann kommt das Christkind zu uns.” “Ha ha, du glaubst wohl noch an das Christkind! Das ist doch immer Opa, der mit dem Glöckchen klingelt! Und Mama und Papa kaufen die Geschenke.”
Kurz bin ich versucht, mich ebenfalls trotzig einzuschalten: “Also, der Papa kauft die Geschenke ganz bestimmt nicht, das mache ja wohl immer ich!” Halte mich aber gerade noch zurück.

Desillusioniert und völlig entromantisiert lasse ich die Großen alleine weiter diskutieren und schaue nach dem Jüngsten. Wenigstens der soll noch den weihnachtlichen Zauber erleben. Hat er auch schon im Vorfeld. Und in Gänze. Während wir hier über Jesus und Josef quatschen, hat der derweil nämlich sämtliche Schokoladenmänner für den bevorstehenden Nikolausabend gefunden und vernichtet. “Alexa, bitte füge Schoko-Nikoläuse der Einkaufsliste hinzu.”

Läuft also, würde ich sagen. So ein bisschen auch aus dem Ruder. Da wir schon im Sommer die Weihnachtsedition von Laura’s Stern, Drache Kokosnuss, Conny Schlauarsch & Konsorten bis zum Abwinken gehört haben, hat jetzt auch keiner mehr Lust auf Rolf Zuckowskis Weihnachtsbäckerei. Wenigstens George Michael lässt mich mit Wham! nicht hängen. Möge er in Frieden ruhen.

Das wird schon noch kommen mit der Weihnachtsstimmung. Vielleicht dann nächstes Wochenende beim gemeinsamen Weihnachtsmarktbesuch. Um es vorweg zu nehmen: Nein, das wird es nicht. Aber schön wird es wahrscheinlich trotzdem irgendwie. Vorallem wenn wir kurze Zeit später wieder daheim sind. Dann werden wir definitiv zu viel Schokolade essen und viel zu viel fernglotzen. Das schlechte Gewissen deswegen kann man ja auch daheim mit ein klein wenig Glühwein ganz gut in den Griff kriegen.

Mir liegt es wirklich am Herzen, diesen Weihnachtszauber, den ich aus meinem eigenen Elternhaus kenne, auch an meine Kinder weiterzugeben. I’ll do my very best. Das ist an manchen Stellen aber wirklich eine Herausforderung, finden Sie nicht auch?
Während man zu Ostern ja durchaus auf Hasendeko verzichten kann, geht das an Weihnachten definitiv nicht. Das habe ich mittlerweile gelernt. Bis letztes Jahr hatten wir noch einen Freestyle-Adventskranz, bestehend aus vier bunt zusammengewürfelten Kerzen und einem Tannenzweig irgendwo zwischendrin. Ich mochte das wirklich. Dann habe ich im Advent aber ein Gespräch zwischen meiner Großen und ihrer Oma belauscht. “Ach Oma, wir haben nie einen richtigen Adventskranz so wie ihr.”
“Hey Siri, bitte erinnere mich nächstes Jahr an einen echten Adventskranz!”

Liebe Damen (und Herren), machen wir uns nichts vor. Die Vorweihnachtszeit ist ohne Frage schön, aber letztendlich ist es einfach brutal anstrengend, im Dezember Mutter zu sein. Das Finale hat es nochmal so richtig in sich und der Druck von außen ist enorm hoch. Am 24. abends dann die Abschlussprüfung. Leuchten die Augen der Kinder? Gefallen die Geschenke? Ist es nicht zu wenig? Oder gar zu viel? Sind alle glücklich? Habe ich alles richtig gemacht?

Und jetzt halten wir alle mal einen Moment inne und fragen uns, ob unser männlicher (erwachsener) Mitbewohner sich ebenfalls mit diesen Gedanken, Gefühlen und To-Dos im Dezember herumplagt? Hoppla…

Das Gute: Am Ende sind trotzdem alle verzaubert. Sogar die Große will nochmal kurz ins Zweifeln geraten, ob nicht vielleicht doch das Christkind da gerade geläutet hat, der Mittlere singt voller Inbrunst “Ihr Kinderlein kommet” und der Kleinste sitzt friedlich am Rand. Und isst Schokolade.

Mutter ist ziemlich ausgebrannt, aber dann doch auch irgendwann etwas feierlich und zufrieden. Und ein bisschen betrunken.
Nächstes Jahr mache ich alles ganz anders. Das wird völlig stressfrei. Nächstes Jahr…

In diesem Sinne eine wunderschöne Vorweihnachtszeit!