An die Eltern der Freunde meiner Kinder.

Was denken Sie sich eigentlich dabei? Jede Woche fische ich aus Kindergartenfächern oder Schulränzen neue Freundebücher. Zugegeben, inmitten der ersten Klasse hat Kind 1 nun glücklicherweise begonnen, die Bücher selbst auszufüllen. Wenn es denn drandenkt. Wenn es das Buch denn wieder findet. Wenn die Mama von Marie-Chantal mich nach zwei Wochen dann mal höflichst per Whatsapp antadelt.

Bleiben aber noch diese Fluten an Kindergartenfreundebüchern des Mittleren. Und sicher auch bald die des Jüngsten. Ich weiß nicht, ob Sie’s wussten, aber in Deutschland beginnt man mit dem Lesen- und Schreibenlernen erst in der Schule. Wer zur Hölle soll dann diese ganzen Bücher ausfüllen? Häh?! Und dann müssen die Antworten meiner Kinder ja auch noch irgendwie sozial sein. Was sie eigentlich nie sind.

Das wünsche ich dir:
„Dass dich ein riesiger Thyrannosaurus auffrisst“

Das mache ich am liebsten:
„Fernseh glotzen“

Darum mag ich dich so gerne:
„Ich mag den überhaupt gar nicht.“ „Auch nicht so ein klitzekleines bisschen, mein Schatz?“ „Nö. Der ist ein Blödbescheuertmensch.“

Das zeichnet mich aus:

Das zeichnet mich aus?! Ernsthaft?! Schnell blättere ich auf die anderen Seiten. Benchmarking ist angesagt.

„Am Wochenende schlafe ich gerne aus.“
„Meine zwei süßen Zöpfe“
„Ich habe schon den grünen Gürtel im Taekwondo“

Oh Wow. Ok. Was zeichnet meinen Dreijährigen aus? Er kann aus Popeln wirklich sehr abstrakte Gebilde herstellen. Und er kann auf Kommando rülpsen wie sein Papa ein Großer. Zählt das auch?

Ganz ehrlich. Zu Beginn meiner Freundebuchautorenkarriere habe ich das Objekt spätestens am übernächsten Tag an das entsprechende Kind zurückgegeben. Außerdem habe ich alle Antworten erfunden, weil meine Kinder entweder keinen Bock hatten, überhaupt zu antworten. Oder nur absolut nicht vertretbare Dinge.

Heute können die Bücher ganz entspannt auch mal über eine Woche bei uns herumliegen. Sie dürfen von meinen Kindern angeschaut werden, ohne dass sie sich vorher ihre stets leicht fettigen Finger desinfizieren müssen. Und ich schreibe auch fast immer genau das auf, was sie mir sagen. Bei dem Lieblingsessen meines Sohnes steht daher in der Regel „Popel“ an erster Stelle. So what?
Und überhaupt. Ich vermisse das „In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken“ und „Ich hab mich hinten angewurzelt, damit niemand aus dem Album purzelt.“ Aber wahrscheinlich ist das ziemlich eighties. Also immer her mit den Büchern. Ich bin mittlerweile Profi!