Es ist schon eine Weile her, als ich diesen Bleistift aus dem Briefkasten gefischt habe. Zugesandt von einer Kinderhilfsorgansation, die sich weltweit für die Chancen und Rechte von Kindern einsetzt, besonderes Engagement gilt dabei der Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen. Ich möchte mir an dieser Stelle keine Bewertung erlauben zum Für und Wider dieser sehr direkten Marketingaktion. Der Gedanke dahinter ist mit Sicherheit ein Guter. Und unerlässlich, zumindest an dieser Stelle. Aber losgelöst davon bemerke ich oft in meinem Leben ein weibliches Aufrüsten. Es geht mir nicht darum, auch nur ansatzweise den derzeit überall propagierten Feminismus zu kritisieren. Denn ich bin ein überzeugter Teil davon. Manchmal tue ich mir nur mit der Art und Weise schwer. Häufig (nicht immer) erscheint es mir tatsächlich wie ein aggressives Mobilmachen.

Hand aufs Herz: Wo fühle ich mich in meinem Leben ungleich behandelt?

Ich bin Mama von drei (meist) wundervollen Kindern. Ich war immer diejenige, die Elternzeit genommen hat. Der Mann beantragte dreimal die klassischen zwei Monate Urlaub ääh Elternzeit. Natürlich schwingt hier – wie Sie unschwer erkennen – eine kleine große Prise Sarkasmus mit. Und ich bin auch die, die sich in epischer Breite und in meinen Augen auch völlig zurecht über den Mental Load von uns Müttern beklagt. Ja, sehr oft wächst mir das auch alles dermaßen über den Kopf, so dass ich aus jeder Pore meines Körpers einfach nur über die Ungerechtigkeiten jammern möchte. Und auch tue. Der Mann kann ein Lied davon singen.
Aber eines muss ich ehrlich zugeben: Niemals hätte ich dieses erste Jahr mit den Kindern abgeben wollen an den Mann. So verdammt anstrengend es auch war. Und so oft ich mir im turbulenten Alltag vielleicht genau das zeitweise gewünscht hatte. Zeitweise wünsche ich mir aber auch heute meine Familie auf den Mond. Oder mich ins Dornröschen Schloss. Des Schlafes wegen. Sie wissen schon.
Und ja, was mich betrifft, so möchte ich auch nicht darauf verzichten, meine Kinder nachmittags von Krippe und Kindergarten abzuholen. Gemeinsam drinnen einen heißen Kakao zu trinken oder ins Freibad zu radeln. Das macht mich ganz bestimmt nicht zu einer besseren Mutter, aber auch nicht zu einer unglaubwürdigeren Feministin. Das bin einfach ich. Jetzt. Ohne Frage nervt mich all das auch manchmal bis zum Weltaal und zurück (wie mein Sohn sagen würde). Das Mamadasein ist oft unglaublich kräftezehrend, manchmal langweilig und ab und an auch mal höchst ungerecht. Aber für mich ist es derzeit ok so wie es ist. Im Wissen, dass diese Situation nicht statisch ist. Und die Zeit mit kleinen Kindern erschreckend kurz. Was man sich als frischgebackene Mama oft gar nicht vorstellen kann.

Aber natürlich wünschte ich mir mehr Wertschätzung an dieser Stelle. Denn eins ist klar, wer mit ein bis vielen kleinen Kindern nachmittags ins Freibad geht, hat nicht frei! Auch nicht auf dem Spielplatz. Nicht beim gemeinsamen Freundedate. Nicht beim Kinderarzt. Und auch nicht in der Horizontalen auf dem Kinderzimmerteppich. Aber: es ist ein Job und ich liebe ihn. Zumindest oft. 😉

Bin ich überhaupt eine moderne Mutter?

Müsste ich bereits erwerbstätiger unterwegs sein (im Sinne von: ich arbeite und bekomme ein Entgelt für meine Leistung), um meiner Rolle als moderne Mutter gerecht zu werden? Bin ich passives Mitglied meiner Generation, weil ich immer länger als ein Jahr in Elternzeit war und auch jetzt nur Teilzeit arbeite? Während der Mann wie selbstverständlich weiterhin in Vollzeit angestellt ist und das meiste Geld nach Hause bringt? Weil ich mehr im Haushalt mache als der Bartträger? Ich kann mich noch erinnern, wie unangenehm mir immer eine bestimmte Frage in der Elternzeit war. Gestellt wurde sie mir schon sehr oft. Sie lautete: „Und… wann fängst du wieder an zu arbeiten?“ Lange habe ich nicht verstanden, warum mir dieser Satz immer so ein unangenehmes Gefühl bereitete. Mit einem derart bitteren Beigeschmack. Mittlerweile weiß ich warum.
Erstens: Wann ich wieder anfange zu arbeiten? Liebe Fragestellerin, ich arbeite den lieben langen Tag! Und das müsstest du, als Mama, eigentlich genau wissen. Ehrlich gesagt habe ich noch nie so hart geschuftet wie momentan. Hier mit dir auf dem Spielplatz. Davor und danach. Und heute Nacht. Und gestern. Und morgen. Übermorgen sowieso.
Zweitens: Wer geht davon aus, dass ich nach zwölf Monaten Elternzeit (plus zwei Monaten Väterurlaubszeit) direkt wieder erwerbstätig sein möchte?
Was ist, wenn ich das Einjährige möglicherweise noch so viel stille, dass eine Erwerbstätigkeit gar nicht so recht funktionieren würde? Was ist, wenn ich diese so kurze Baby- und Kleinkindzeit intensiver erleben möchte? Was ist, wenn ich mich bei dem Schlafmangel, den ein Einjähriges verursachen kann, gar nicht imstande fühle ins Büro oder sonst wo hin zu gehen?

Mag sein, dass ich als freiberufliche Redakteurin hier auch irgendwie in einer „Blase“ lebe. Mir ist klar, dass vieles im Angestelltenverhältnis ganz anders aussieht. Ich konnte arbeiten, obwohl ich ein Baby hatte oder die größeren Kinder nur bis zum frühen Nachmittag betreut waren. Wobei meine bezahlte Erwerbstätigkeit dann eben auch oft noch abends oder am Wochenende stattfindet. Das ist mitunter auch sehr anstrengend, aber ich mag es (meistens).

Ja, Geld ist natürlich ein Thema. Aber auch hier muss jede Familie ihre ganz eigene Lösung finden. Dass wir in München leben, macht die Sache nicht gerade einfacher. Wir haben noch kein Eigenheim und statt ins schöne Tiroler Familienhotel zu gehen, fahren wir jedes Jahr zum Campen. Und einmal pro Jahr buchen wir uns dann eine coole Jugendherberge. Es ist nicht so, dass ich nicht manchmal ganz gern auch das andere hätte. Aber wir haben hier in unserem kleinen System priorisiert und das kam dann dabei raus. Derzeit ist es so und es ist für alle eine ganz passable Lösung. In regelmäßigen Abständen werden die Gesetzmäßigkeiten neu hinterfragt. Das passiert aber ganz automatisch und ohne bewusstes Zutun.

Diese (unsere) Entscheidung ist genauso gut, wie die Entscheidung, nach einem Jahr direkt wieder zurück in den alten Job zu wollen. Teilzeit, Vollzeit, Wunschzeit. Traurig ist nur, wenn die Frau dann nach ihrem Arbeitstag heimkommt und die komplette Hausarbeit plus die ganze Familienorganisation noch immer auf ihren Schultern liegt. Genauso traurig, wie wenn die Mama, die länger als das legitimierte eine Jahr zu Hause bei den Kindern ist, die alleinige Care-Arbeit leisten muss.

Was heißt Feminismus genau?

Was ist es also, dieser Feminismus? Diese „Waffe der Frau“? Sollen wir uns aufrüsten? Uns wehren? Laut werden? Dominant werden? Genau das tun, was Männer tun? Weil wir alle gleich sind? Hhm.
Vermutlich setze ich mich hier jetzt in ein riesiges Brennnesselgewächs.
„Jaaaa“ schreit es mich von allen Seiten an. Wir sind alle gleich, die Mädchen sollen mit Autos spielen und Jungs rosa Socken tragen. Natürlich ist das überspitzt. Und ich bin mir durchaus der Notwendigkeit eines noch weiterhin bestehenden Wandels bewusst. Aber ganz ehrlich, Feminismus sieht für mich anders aus. Sanfter. Freier. Vielfältiger.

Vermutlich braucht es zu Beginn aber radikale Extreme. Hätte ich mich beispielsweise zur Gründungszeit der Grünen schon für andere Dinge interessiert als Schlafen und Essen in ziemlich flüssiger Form, so hätte ich wahrscheinlich gelacht, wenn mir jemand erzählt hätte, dass in meinem erzkonservativen Heimatbundesland mal ein grüner Ministerpräsident regieren wird.
Und heute muss auch keine Frau mehr nackt in einer Hippie-Kommune wohnen, um mit einem Mann ohne Trauschein zusammenleben zu dürfen. Oder mit einer Frau mit Trauschein. Anstöße gehen sicher oft nur mit einem gewissen Radikalismus einher. Das leuchtet mir ein.

Ohne Frage sollten wir alle gleichberechtigt sein. Und das ist mitunter noch ein holpriger Weg dorthin. Aber nein, ich glaube nicht, dass wir alle gleich sind. Weder Jürgen und Annette. Noch Annette und Claudette.

Feminismus bedeutet für mich, die Wahl zu haben.

Selbstbestimmt zu entscheiden im eigenen kleinen System. Auf die individuellen Bedürfnisse eines Jeden einzugehen. Wenn man mehr als eins ist, muss man immer Rücksicht nehmen, immer Kompromisse finden. Ob ich mit einem Mann zusammenlebe oder einer Frau. Und das gilt in der Partnerschaft, aber auch in der Erziehung.
Ich habe eine Tochter und zwei Söhne. Als meine Erstgeborene aus dem Krabbelalter hinaus war, ging ich fest davon aus, dass sie ein bisschen wie ich werden würde. Ein wildes Mädchen, das am liebsten mit Autos und den Jungs Fußball spielen möchte. Und ich war stolz darauf, dass dieses kleine Mädel nicht in rosa und auch ohne Glitzer & Chichi herumlief. Ich wollte sie so frei wie möglich erziehen. Kein Schubladendenken, kein Auferlegen gesellschaftlicher Zwänge. Und was passierte dann? Dieses kleine wunderbare Geschöpf mochte am allerliebsten das, was ich als Kind so sehr hasste. Rosa. Pink. Kleidchen. Tüll. Und nu?!

Dann kam mein erster Sohn. Und wieder dachte ich mir, dieser kleine wunderbare Junge wird frei erzogen. Warum in aller Welt soll er marineblau tragen und nicht puderrosa? Wie goldig sind doch diese kleinen Jungs mit ihren Puppen im Schlepptau. Und wieder lehrten mich meine Kinder, dass jeder einfach schon seinen ganz eigenen Persönlichkeits-Rucksack mit ins Abenteuer Leben bringt. Definitiv können wir Impulse geben, Ideen unterbreiten, aber in einer gesunden Atmosphäre können wir keine Meinungen bilden. Dieser kleine Junge hat all die Puppen und Ponys seiner Schwester nicht ein einziges Mal mit Interesse angeschaut. Bis heute nicht. Dafür kann ich mich noch genau erinnern, wie er damals vor Euphorie fast explodiert wäre, als er zum zweiten Geburtstag einen Spielzeugbagger bekam. Und es ist auch der Junge, der heute aus allem Schwerter und Degen baut, mit denen er lautstark gegen die Bösen kämpft. Was abwechselnd seine Geschwister, die imaginären Freunde oder auch ich sein können. Und dennoch ist dieser wilde, manchmal so laut tobende Bub ein unheimlich Zarter. Einer, der empathisch ist wie kein anderer. Ein Vierjähriger, der zu mir kommt, wenn ich krank bin, mit der Frage „Mama, was kann ich dir Gutes tun?“.
Welchen Weg der Dritte bei uns im Bunde einschlagen wird, ist noch ungewiss. Momentan scheint er komplett frei zu sein in allem. Und spielt am liebsten mit Zwiebelschalen, Knete und Linsen in der gesamten Wohnung. Auch schön.

Mir ist es wichtig, die Kinder gleich zu erziehen. Was – da wird mir vielleicht die eine oder andere Mutter zustimmen – super klappt. Also super schlecht. Bis super gar nicht. Jedes meiner Kinder ist komplett anders. Egal welches Geschlecht. Auf jeden muss ich anders eingehen. Aber manchmal sind es vielleicht in der Tat – oh weh oh weh –  geschlechtsspezifische Eigenschaften, die sie voneinander unterscheiden. Wenn meine Tochter mal den ganzen Tag drinnen verbracht hat, ist sie abends unzufrieden mit allem und nörgelig ohne Ende. Unglaublich anstrengend! Wenn mein Sohn tagsüber nicht draußen war, kämpft er uns bis abends Ninja-like die Bude kaputt. Not so good, sage ich Ihnen! Man könnte ihm aber auch einfach schnell ein ADHS überstülpen. Dann wären wir aus dem Schneider.

„Kämpft für eure Rechte!“ Sagen sie.

Manchmal  habe ich das Gefühl, meiner Rolle als moderne Frau und Mutter nicht ganz gerecht zu werden. Ein bisschen wie eine Verräterin meiner Generation.
Geht zurück in euren Job. Der Kindsvater soll zu 50% übernehmen. Kämpft für eure Rechte.  All das unterschreibe ich gerne. Und dass eine Gehaltsanpassung so was von überfällig ist, muss überhaupt nicht diskutiert werden. Sowohl angepasst an den männlichen Arbeitnehmer. Ja, es ist furchtbar, sich darüber überhaupt noch beschweren zu müssen im Jahr 2020. Und ganz gewiss sind auch Frauen in Teilzeitjobs absolut minderbezahlt! Mütter, die wieder in ihre alten Jobs einsteigen, leisten doch exakt dasselbe wie früher, machen wir uns doch nichts vor. Nur oft jetzt in der Hälfte der Zeit. Ich kenne so viele Frauen, die ihr Mittagessen tagtäglich am Rechner zu sich nehmen, anstatt mit den Kollegen Essen zu gehen. Oder es gibt noch schnell etwas auf die Hand während sie zum Bus rennen. Nur damit sie ihre Arbeit und die Abholzeit der Kinder nachmittags zeitlich packen. Und in diesen 4,5,6 Stunden schaffen sie dasselbe Pensum wie früher innerhalb von 8 Stunden. Oder wie Klaus-Jürgen am Rechner nebenan. Dafür nur die Hälfte der Bezahlung zu erhalten, ist bitter und alles andere als wertschätzend. Und hier muss weiter gekämpft werden. Radikal und laut.
Auch jene Frauen, die eben nicht nach 4,5,6 Stunden aufstehen möchten, um die Kinder zu holen. Weil sie Vollzeit arbeiten wollen, aber nicht dürfen.

Aber manch eine möchte es vielleicht auch nicht. Selbst wenn der Mann absolut dahinter stehen und Stunden reduzieren würde. Ich und meine „Mutter-von-kleinen-Kindern“-Identität zum Beispiel. Und hier wäre ich dankbar für ein bisschen weniger Druck. Denn davon haben insbesondere wir Mütter schon genug. Vielleicht bin ich viel zu kurzsichtig, aber leben wir in unserem kleinen System nicht sogar schon gleichberechtigt? Oder bin ich hier wieder sicher gefangen in meiner Blubberblase?

Der FeMANist

Bei uns geht der Mann also Vollzeit arbeiten, was bedeutet, dass ich mehr Care-Arbeit zu Hause mache. Dass wir das so handhaben, liegt zum einen
schlichtweg daran, dass er mehr verdient. Und auch, weil es für uns so besser passt. Die Tatsache, dass er mehr verdient, liegt allerdings nicht daran, dass er ein Y-Chromosom hat, sondern, dass er in einem Bereich arbeitet, der besser bezahlt wird.
Der Mann kann definitiv besser kochen, also macht er das öfter als ich. Er bügelt die Steckperlenkunstwerke unserer Kinder schöner (behaupten die Künstler), also fragt mich sowieso keiner mehr danach. Generell muss der Mann alle Bastelaufgaben übernehmen, bei denen wir unter einem Leistungsdruck stehen (Kindergarten, Schule etc.), weil ich einfach ein Bastel-Legastheniker bin. Seine Hemden bügelt die Vorbügelfunktion unserer Waschmaschine. Und Bier holt der, der gerade näher am Kühlschrank steht. Wir haben drei Konten. Jeder sein eigenes „Pseudo-Taschengeldkonto“ und ein gemeinsames, wo jedes Einkommen draufkommt und alle Fixkosten weggehen. Alles andere würde für mich keinen Sinn ergeben. Denn egal, ob ich Einkommen erziele oder nicht, wir arbeiten beide Vollzeit. Folglich ist alles unser gemeinsames Geld. Punkt!
Wenn in den meisten Cafés ein Wickeltisch nur in den Frauentoiletten zu finden ist, so stört mich das wenig. Denn der Mann kann in weniger als 35 Sekunden gekonnt im Kinderwagen, auf der Bank oder unter dem Tisch wickeln. FeMANisten können das. Und wir können das auch fordern!

Zurück zu den Waffen.

Früher waren es pralle Brüste und rote Lippen. Heute ist es die Bildung, der damit einhergehende berufliche Erfolg und die starken Stimmen der Frauen. Das ist gut und richtig so. Um noch die letzten patriarchalischen Erbschaften auszulöschen. Aber wir sollten auch nicht vergessen, wer wir sind und wie unterschiedlich wir sind. Nicht alle Frauen sehen sich selbst in einer wichtigen beruflichen Position. Nicht, weil sie keine Wahl dazu haben, sondern weil sie es nicht möchten. Und ja – ich lehne mich nun raus aus meiner Blase – mit Sicherheit gibt es auch heute noch einige, die beruflich aufsteigen möchten, es ihnen aber verwehrt bleibt. Das bestreite ich nicht. Ehrlich gesagt kenne ich aber keine Frau persönlich, auf die das zuträfe. Sehr wohl kenne ich aber Mütter, die sich bewusst gegen die (volle) Berufstätigkeit, zumindest temporär, entscheiden. Und damit aber nicht automatisch zur Putz- und Kinderfrau der Nation werden (möchten).
Kinder zu bekommen ist nicht nur ein Zusatz im Lebenslauf. Wir verlassen das Krankenhaus doch nicht nur mit Baby, sondern mit im Gepäck ist doch immer auch eine völlig neue Identität. Mutter zu werden verändert uns. Ich zum Beispiel hätte ohne meine Kinder niemals den Weg in die Selbständigkeit gewagt.
Manch eine möchte vielleicht lieber leise im Hintergrund bleiben. Und es liegt auch ein großes Stück an uns Frauen, dem mehr Wertschätzung entgegen zu bringen.

Feminismus bedeutet für mich, dass alle Frauen (und Männer) ihren ganz eigenen Weg gehen können. Den Weg, der am besten zu ihnen und ihrem Familiensystem passt. Und damit ergänzen wir uns Frauen doch wunderbar. Ich habe größten Respekt vor der Frau, die bei der Arbeit vor großer Männerrunde (ja, so ist es einfach immer noch) steht und über ihre Projekte referiert. Die in Vollzeit arbeitet und nebenher noch ihre Familie rockt. Ich bewundere, die Mama, die in Teilzeit ihren ehemaligen Vollzeitjob macht, um dann heimzudüsen, um mit den Kindern den Nachmittag zu verbringen. Und ich hebe meinen Hut vor der Mama, die den Tag über komplett mit ihren Kindern verbringt. Ihnen Essen kocht, das ohnehin nicht gegessen wird und zum 347. Mal dasselbe Buch vorliest.

Am Ende des Tages sitzen wir doch alle völlig müde auf dem Sofa, oder nicht? Nicht selten mit einem schlechten Gewissen und dem Gefühl, nichts und gar niemandem gerecht zu werden. Ein gelebter Feminismus sollte also zum einen den Mental Load verringern. Auch die Mama, die sich bewusst dazu entschieden hat, (zunächst) keiner Erwerbstätigkeit nachzugehen, hat ein Anrecht auf Entlastung. Nur weil sie keine acht Stunden auswärts arbeitet, bedeutet dies nicht, dass die komplette Care-Arbeit an ihr hängen bleiben darf! Neben dem Mental Load, sollten wir meines Erachtens aber auch den Sentimental Load versuchen zu reduzieren. Mehr Respekt für andersdenkende oder andersfühlende Mütter. Wir leben im Jahr 2020. Und jede Frau leistet – egal wieviele Stunden sie an welchem Ort auch immer anpackt – einen unglaublichen Beitrag. Ich wünsche mir mehr Vertrauen in eine Gesellschaft, die sich nicht krampfhaft wandeln muss, sondern eine, die auch durch ihre Vielfalt lebt. Ohne Kampf, sondern durch gegenseitiges Unterstützen. Das ist viel weicher und weniger dominant. Einfach WIR.

Das ist für mich Feminismus.