„Ach, es gibt nur eine kleine Feier“. Höre ich mich jedes Jahr sagen. Seit die Große aus dem Krabbelalter ist. Und die Kindergeburtstage leider kein gemütliches Beisammensein mehr sind zwischen mir und meinen Mütterfreundinnen. Deren Kinder man seinen eigenen einfach als Freunde aufzwängen kann. Spätestens mit dem vierten Geburtstag bekommt das plötzlich so eine Eigendynamik. Und erfordert tagelanges Projektmanagement, eng getaktete Zeitpläne und raffinierte Gastgeschenke. Und Fakt ist:

  1. Die bevorstehende Party entwickelt sich – trotz aller guten Vorsätze wie: „Dieses Mal gibt es nur ne kleine Feier. So wie bei uns früher“ – immer irgendwie doch zur einer perfekt inszenierten Großveranstaltung.
  2. Während die Mütter früher die Kinderfeste alleine wuppten, muss der Kindsvater heute hierfür mindestens eineinhalb Tage Urlaub nehmen.
  3. Merke! Der Dr. Fix- und Fertigkuchen kommt definitiv besser an als die ambitionierte Eigenkreation.
  4. Jedes Jahr nehmen Sie sich vor, mit Coolness voranzugehen und mal keine Tüten mit Give-aways vorzubereiten. Am Vorabend werden Sie dann doch noch schnell Butterbrotpapiertütchen mit Namen stempeln.
  5. Sie registrieren bei den bringenden Eltern eine Ihnen wohlbekannte Emotion. Die Sie inmitten der kindlichen Begrüßungszeremonie mit lautstarker Geschenkeübergabe vermutlich nicht direkt einordnen können. Recht bald wird es Ihnen aber wie Schuppen von den Augen fallen. Diese Emotion nennt sich: Freude. Schadenfreude.
  6. Sie werden in drei Stunden gefühlte dreizehn Jahre altern.
  7. Die Obstspießchen verharren bis zum Schluss auf dem liebevoll drapierten Vitaminbouquet. Bis auf ein paar wenige fehlende Exemplare. Diese werden Sie dann noch Tage später in Sofaritzen oder Lego-Bausteinen finden.
  8. Der Topfschlagenkochlöffel landet in einer kindlichen Auseinandersetzung mindestens einmal auf dem Kopf eines Gastkindes. Was zu düsenjetartigem Geschrei führen wird. Sie hoffen, dass nicht Ihr Kind der Topfschlagenkochlöffelschläger war.
  9. Mindestens ein Gastkind ruft plötzlich aus der Badezimmerversenkung „Feeeeeeeeeertig!“.
  10. Die Gummibärchenverzierung des Geburtstagskuchens fehlt schon vor Auspusten der Kerzen.
  11. Sie hoffen, dass die Kinder es irgendwie schaffen, die Süßigkeiten schon vor der Ankunft ihrer Eltern in ihrem Verdauungstrakt zu verstecken. Und dass sie von dem reichlichen Obstteller erzählen. Oder wenigstens abends nicht kotzen.
  12. Das eigene Kind erleidet mindestens einmal einen etwas länger andauernden Wutanfall und möchte, dass alle Partygäste nach Hause gehen. SOFORT. Sie zeigen sich insgeheim solidarisch mit dem geburtstäglichen Wüterich.
  13. In den letzten zwanzig Minuten der Veranstaltung wandert der Zeiger auf der Uhr nicht mehr weiter. WTF?! Er wandert einfach nicht mehr weiter.
  14. Ungeschriebenes Gesetz: Alle Kinder können gestritten haben wie die Kesselflicker – sobald das abholende Elternteil vor der Tür steht, will kein Kind heim.
  15. Tröten als Mitgebsel machen Elternfreunde zu Feinden.
  16. Sie planen, nächstes Jahr mit allen einen dreistündigen DVD-Nachmittag zu machen. Oder lebenslang zu verreisen.
  17. Bier hilft!
  18. Auch Sie stehen das nächste Mal wieder vor einer mit Luftballons geschmückten Wohnungstüre. Geschenk in, Kind an der Hand. Und ja, auch Sie werden diese Mischung aus Mitleid und… Freude verspüren. 😉

P.S.: An alle Eltern, die ihre Kinder jemals bei uns pädagogisch wertvoll betreut ahnten: Natürlich ist das alles nur frei erfunden.